Futur III <=> Futur II
Glashütte Gernheim — FUTUR21

Glashütte Gernheim

FUTUR_ressourcen

Im Gernheimer Glasturm, einem der letzten Bauwerke dieser Art in Deutschland, verarbeiten Glasmacher mit Pfeife, Holzform und Schere die glühende Masse aus Sand, Soda und Kalk noch wie zur Gründungszeit der Hütte vor 200 Jahren. Das anspruchsvolle Handwerk des Glasmachens ist immaterielles Kulturerbe und lebt von der persönlichen Weitergabe der Fähigkeiten. Die Glashütte Gernheim trägt am Originalschauplatz zur Tradierung der Fertigungstechniken bei und arbeitet regelmäßig mit internationalen Glasmacher:innen zusammen.

Faidra Oikonomopoulou & Telesilla Bristogianni

Transparent Things

Futur II | 19.03.2022

Für das Außengelände der Glashütte Gernheim entwickeln Studierende der Architektur der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe eine begehbare Skulptur aus recycelten Glaselementen. Überlegungen zu Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung fließen in den Entwurf des Projekts Transparent Things mit ein. Beratend zur Seite stehen Faidra Oikonomopoulou und Telesilla Bristogianni (TU Delft), die mit Re3 Glass eine neue Generation von recycelten und wiederverwendbaren Gussglaskomponenten zum Bauen entwickelt haben.

Glasrecycling ist ein mehrstufiger Prozess, der in Zeiten von Ressourcenknappheit immer wichtiger wird. Daraus nutzbare Elemente für architektonische Anwendungen zu entwickeln haben sich Faidra Oikonomopoulou und Telesilla Bristogianni zur Aufgabe gemacht. Die Studierenden der TH OWL greifen unter der Leitung von Prof. Michel Melenhorst Methoden der beiden Wissenschaftlerinnen auf. Das Projekt Transparent Things bezieht das Spiel mit der Beschaffenheit des Materials genauso mit ein wie das Experiment mit Glasrecyclingverfahren und die Spezifik des Ortes.

Evelina Rajca

smart.ing bodies

Futur III | 19.03.2022 - 26.03.2022

Zwei feine Glasinstrumente, die durch eine mit maschinellen Lernprozessen erzeugte algorithmische Komposition in Bewegung gesetzt werden, bilden die skulpturalen Teile der multisensorischen Klanginstallation smart.ing bodies. Sie bestehen aus Quarzsand, den die Künstlerin Evelina Rajca von verschwindenden Stränden und Bergen auf der ganzen Welt gesammelt hat. Zu hören ist der reine und doch komplexe Klang des Sandes, der sich ständig verändert.

Die Komposition basiert in Teilen auf einer Künstlichen Intelligenz, die so ‚smart‘ ist, nur gewisse Frequenzen zu produzieren. Sie hilft, die Zerstörung des Glases und des Motors durch Schallwellen oder Rückkopplungen zu vermeiden.
Damit verweist die Arbeit einerseits die zunehmende Rolle neuer Technologien beim Organisieren, Klassifizieren und Sammeln von Informationen zur Konstruktion von Bedeutung und Entscheidungsprozessen. Mit der Verwendung von Sand als wesentliches Rohmaterial für die Herstellung von Beton, Glasfaserkabeln sowie Computerhardware eröffnet die multisensorische Arbeit den Diskurs über die Endlichkeit der Ressource Sand.