Henrichshütte Hattingen

FUTUR_energie

150 Jahre lang wurden auf der Henrichshütte Hattingen Eisen und Stahl erzeugt, gegossen, geschmiedet und gewalzt. 1987 wurden die Hochöfen „ausgeblasen“. Über 100 chinesische Arbeiter zerlegten Hochofen 2 und verschifften ihn nach Hunan, um dort wieder Eisen zu produzieren. Seither hat sich die Stahlproduktion weltweit verdoppelt, 15 Prozent des nach wie vor steigenden CO2-Ausstoßes kommen aus Hochöfen und Stahlwerken. Die Henrichshütte erzählt die Geschichte eines Ortes und seiner Menschen und bindet sie in globale Zusammenhänge ein.

Su Yu Hsin

Blast Furnace No. 2

Futur II | 12.03.2022
Su Yu Hsin, Visual reference of the project Blast Furnace no.2 (WT) , Courtesy: the artist

Als Ankerpunkt für ihre multidimensionale Videoarbeit nutzt Su Yu Hsin den leeren Sockel des ehemaligen Hochofens 2, die sogenannte Ofensau. In Blast Furnace No. 2 kombiniert die Künstlerin spektakuläre Satellitenaufnahmen mit Archivmaterial und Interviewausschnitten und erkundet die Themen Stahlproduktion, Globalisierung und den kosmischen Ursprung des Metalls Eisen kaleidoskopartig aus erdgeschichtlicher, sozialhistorischer und ökologischer Perspektive.

Im Jahr 1989, kurz vor der Schließung der Henrichshütte, wurde der Hochofen 2 von einem chinesischen Stahlwerk gekauft, abtransportiert und in Hunan wieder aufgebaut. Dort lief er weitere 15 Jahre, bis er durch einen größeren Ofen ersetzt wurde. In Hattingen zeugt nur noch ein leerer Sockel, die ‚Ofensau‘, von dem ehemaligen Zentrum der Henrichshütte. Ausgehend von dieser Leerstelle folgt Blast Furnace No. 2 den Wegen der Globalisierung von Hattingen über Hunan – und schließlich bis ins Weltall: Ein Blick in die mineralische Sammlung der Henrichshütte erweitert die zeitliche Skala der Geschichte des „HO II“ um die der geologischen Zeit. Dort verweist ein eisenhaltiger Meteorit auf die kosmische Herkunft des Metalls: Eisen kommt überall im Universum vor und war bereits bei der Zusammenballung der Erde im kosmischen Staub enthalten. Su Yu Hsin greift auch diese tiefenzeitliche Perspektive erzählerisch auf, um Rohstoffabbau und -verarbeitung zu beleuchten.

Refik Anadol

REFIK ANADOL

Futur III | 12.03.2022 - 19.03.2022
Quantum Memories, NGV Trienniale, Melbourne, 2020 © Refik Anadol; Photo: Tom Ross
Foto: Quantum Memories, NGV Trienniale, Melbourne, 2020 © Refik Anadol; Photo: Tom Ross

Der in Los Angeles lebende Medienkünstler Refik Anadol entwickelt für die Henrichshütte in Hattingen eine digitale Datenskulptur, die im Außenbereich des Geländes in Form einer monumentalen LED-Wand an die Stelle des 1990 nach China verkauften Hochofen II rückt. Im Mittelpunkt stehen konkrete Fragen zum Energieverbrauch in der Stahlindustrie. Der Künstler bedient sich riesiger Datensets und themenspezifischer Bildarchive, die er von einer KI erforschen und von hochentwickelten Algorithmen künstlerisch weiterspekulieren lässt.

Refik Anadol beleuchtet dabei im Spannungsfeld von historischem Ort und digitalem Objekt unsere veränderte Wahrnehmung von Raum und Architektur, die sich durch den Einzug von Smartphones und städtischen Bildschirmen in unseren Alltag kontinuierlich weiter vollzieht. Die Ergebnisse sind Ausflüge in von der Quantenphysik inspirierte alternative Realitäten, die uns unsere eigene Wirklichkeit aus einer neuen Perspektive betrachten lassen.

Eröffnung / SU YU HSIN

Henrichshütte Hattingen

Refik Anadol

Henrichshütte Hattingen