Papiermühle Alte Dombach

FUTUR_fortschritt

Seit 1582 wurde in Bergisch Gladbach Papier produziert, 2021 schloss die letzte Fabrik. Papier war und ist unverzichtbar: Bildung ohne Bücher, Demokratie ohne Zeitungen, Handel ohne Verpackungen – undenkbar. Papier wird zunehmend durch digitale Kommunikation ersetzt und gilt - im Vergleich mit Kunst- und anderen Werkstoffen - als nachhaltig. In der Papiermühle Alte Dombach können die Besucher:innen den Wandel vom Handwerk zur Massenproduktion nachvollziehen und sich über die Herstellung von Papier hinaus auch mit seiner Bedeutung auseinandersetzen.

Cris Wiegandt

Mutant Bacteria - Ein SPA-Tag im Komposter

Futur II | 20.11.2021

Ist die Nutzung von Holz für die Papierherstellung angesichts des Klimawandels noch vertretbar? Ausgehend von dieser Frage entwickelt die Künstlerin Cris Wiegandt für die Papiermühle Alte Dombach eine Rauminstallation mit einem spekulativen Ansatz zum Thema Zellulose. In Form eines “Was wäre, wenn”-Szenarios entwirft sie einen Komposter, in dem mutierte Bakterien Plastik in neuartige Zellulose transformieren. Der interaktive Animationsfilm, der auch um Augmented Reality-Elemente erweitert ist, zeigt die Potenziale spekulativen Designs auf.

Vom Klimawandel bis zur Weltraumforschung bietet das Feld der “Material Ecology” neue Möglichkeiten, um von der Natur inspiriert auf aktuelle Problem- und Fragestellungen zu reagieren. Fast jede Biomasse kann demnach in Biomaterialien umgewandelt werden, die für eine Vielzahl von Zwecken verwendet werden können. Inspiriert von dem Bakterienstamm Pseudomonas, der Polyurethan-Plastik mittels hochspezifischer Enzyme angreifen und biologisch abbauen kann, spekuliert Cris Wiegandt über Lösungsansätze für zwei Probleme der Zukunft: Die Herausforderung der Rohstoffknappheit und die Umweltbelastung durch eine Überproduktion von Plastik.

Johanna Reich

Wandel der Zeichen

Futur III | 26.03.2022 - 02.04.2022

Ausgehend von der Geschichte des Papiers stellt die Kölner Künstlerin Johanna Reich Spekulationen darüber an, wohin sich unsere Gesellschaft bewegt, wenn sich das Trägermedium für Schrift verändert. Was geschieht mit dem Gedächtnis unserer Kultur, wenn es im Zuge der Digitalisierung immaterieller wird? Diese kritische Reflexion über digitale Medien überführt sie in eine raumgreifende multimediale Installation, in der sich Besucher*innen immersiv zum künstlerischen Diskurs in Beziehung setzen können.

Als Teil der Gruppe FUTUR_fortschritt geht die Arbeit von Johanna Reich der Frage nach, ob in der Zukunft unsere Geschichtsschreibung in der Masse von Informationen versinken wird. Unsere Kultur ist tief in der Schrift verankert, Geschichtsschreibung und Vergangenheit beruhen darauf. Der Buchdruck hat nicht nur unser kulturelles Verständnis verändert, sondern auch unsere Gesellschaft geformt, Wissen generiert und aufgeklärt. Am Beispiel der Papiermühle Alte Dombach untersucht die Künstlerin die Aufgabe der Museen als wichtige zukünftige Instanzen, die auswählen, kategorisieren und ausloten, wie die Erinnerung unserer Kultur aussehen könnte.