Textilfabrik Cromford

FUTUR_fortschritt

Die Textilfabrik Cromford in Ratingen gilt als erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent. Als Baumwollspinnerei war sie bereits Ende des 18. Jahrhunderts an globale Lieferketten gebunden. Die Massenproduktion von baumwollener Kleidung, die die Mechanisierung möglich gemacht hatte, empfanden die Zeitgenossen als Fortschritt. Die neue Dauerausstellung in der Spinnerei stellt dagegen die Folgen der (kolonialen) Ausbeutung von Natur und Mensch in den Fokus.

Simone Glück
Svenja Jessen

Baumwollgeschichten

Futur II | 12.02.2021

Für die neu gestaltete Dauerausstellung der Textilfabrik Cromford wird die Designerin Simone Glück in Zusammenarbeit mit der Autorin Svenja Jessen eine künstlerisch-mediale Anwendung mit interaktiver Schnittstelle gestalten. Zentrales Thema ist der Rohstoff Baumwolle. Baumwolle kam unter den Vorzeichen kolonialer Handelsbeziehungen nach Ratingen. Aus interdisziplinärer Perspektive vermittelt die Installation historische und aktuelle Zusammenhänge rund um die ökologischen und sozialen Auswirkungen von Baumwoll-, Textil- und Modeindustrie.

Das Museum reflektiert so die globale Einbettung der Textilfabrik in den internationalen Baumwollhandel aus interdisziplinärer Perspektive. Das Interface-Design von Simone Glück macht die netzwerkartigen Verbindungen zwischen den vielschichtigen Facetten des Themas sichtbar. Kurze, anekdotische Texte von Svenja Jessen informieren über die kolonialen Hintergründe des Baumwollanbaus sowie über die Spuren der Kolonialgeschichte, die noch heute in unfairen Lieferketten, Ausbeutung und Umweltverschmutzung in den sogenannten “Niedriglohnländern” sichtbar werden.

Parisa Karimi

PLURIVERSUM

Futur III | 26.03.2022 - 02.04.2022

Für die Fassade des Herrenhauses der Textilfabrik Cromford entwirft Parisa Karimi ein immersives Projection Mapping. Die Medienkünstlerin und Regisseurin setzt sich darin kritisch mit dem Fortschrittsbegriff der industriellen Moderne auseinander und spürt den Folgen des ständigen Strebens nach Wachstum nach. Die ortspezifische Arbeit verwebt Archivmaterial, Versatzstücke erzählter Geschichte, fiktionale Elemente und Animationen zu einer multiperspektivischen Erzählung aus Bild und Ton.

Aus postkolonialer Perspektive nimmt Parisa Karimi auf die Geschichte des Standorts und auf die heutige Baumwoll- und Textilindustrie Bezug. Zusätzlich lädt sie Bewohner:innen von Ratingen ein, gemeinsam spekulative Erzählungen zu entwickeln. Ihre Projektion verwebt verschiedene Erzählstränge, die den Ort audiovisuell verwandeln: Darin ist das Hör- und Sichtbarwerden marginalisierter Stimmen und ihrer Geschichten genauso wichtig, wie die internationaler Aktivist:innen, die Deutungsmacht und Wohlstand des globalen Nordens infrage stellen.

Eröffnung / Simone Glück & Svenja Jessen

Textilfabrik Cromford

Pluriversum / Parisa Karimi

Textilfabrik Cromford