Zeche Hannover

FUTUR_energie

Steinkohle war im Ruhrgebiet über ein Jahrhundert lang der wichtigste Energieträger. 1857 bis 1973 förderte die Zeche Hannover in Bochum riesige Mengen Steinkohle. Die Ausbeutung der Kohle unter Tage führte in der gesamten Region zur Absenkung der Erdoberfläche. Noch heute wirken die Schäden nach. Bergbau und Industrie zogen viele Menschen an. Die Geschichte und Gegenwart der Zeche Hannover ist eng mit Migration und kultureller Vielfalt verwoben. Im Bewusstsein um die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung nimmt das Museum diese Themen in den Blick.

Zorka Wollny

Singing Machine

Futur II | 16.03.2022
Overtone Hive, TRAFO Center for Contemporary Art 2020, photo Andrzej Golc

Zorka Wollny entwickelt für die Zeche Hannover eine Soundarbeit, bei der der Zuzug arbeitssuchender Menschen aus ganz Europa“ metaphorisch als „Energiefluss“ aufgegriffen wird. Die polnische Künstlerin beschäftigt sich mit den Einflüssen der europäischen Arbeitsmigration auf das Ruhrgebiet mit einem besonderen Fokus auf das polnisch-deutsche Leben in NRW. Der Malakowturm der Zeche Hannover wird zu einer raumgreifenden Klanginstallation, welche Stimmen aus verschiedenen Gemeinschaften in Bochum in ein körperlich spürbares Hörerlebnis umwandelt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen tausende Menschen aus verschiedenen Teilen Europas ins Ruhrgebiet und fanden Anstellung in der Schwerindustrie, zum Beispiel auf Zeche Hannover. Die damalige Belegschaft bestand zu großen Teilen aus polnischen, belgischen, französischen, italienischen, spanischen, griechischen, türkischen oder portugiesischen Arbeiter:innen. Die Künstlerin arbeitet mit Eingesessenen und Zugezogenen aus Bochum. Dabei beleuchtet sie kollektive Ängste und Visionen, die sich auf ökologische und wirtschaftliche Transformationsprozesse beziehen.

Joanie Lemercier

Slow Violence

Futur III | 12.03.2022 - 19.03.2022

In seiner audiovisuellen Installation Slow Violence (2019-2021) macht Joanie Lemercier die Eingriffe des Menschen in die Umwelt zum Zwecke der Energiegewinnung erlebbar und reflektiert die sichtbaren wie unsichtbaren Folgeschäden der industriellen Nutzung des Planeten: Mit monumentalen Drohnenaufnahmen dokumentiert Lemercier die landschaftliche Zerstörung durch den Braunkohletagebau im Rheinischen Revier. Aufnahmen von der aufgerissenen Erdoberfläche kombiniert er mit hypnotisierenden Aufnahmen des Hambacher Forsts und den aus den Kraftwerken aufsteigenden Wolken.

Das Außengelände der Zeche Hannover erweckt den Anschein intakter Natur. Der renaturierte Industrieraum ist jedoch heute noch stark durch den Steinkohleabbau gezeichnet. Während die Folgeschäden unter Tage fortbestehen und dadurch weniger sichtbar sind, wird wenige Kilometer weiter im Rheinland das Ausmaß des Braunkohletagebaus unmittelbar offensichtlich. Mit der Videoinstallation Slow Violence vergegenwärtigt Lemercier das Ausmaß des ökologischen Schadens durch die Extraktion und Verbrennung natürlicher Ressourcen. Titelgebend ist das Konzept des Literaturwissenschaftlers Rob Nixon, der die sich allmählich entfaltende Zerstörung als “langsame Gewalt” bezeichnet hat.

Slow Violence / Joanie Lemercier

Zeche Hannover

Eröffnung / Zorka Wollny

Zeche Hannover